Hier erzählt unsere Barbara von - mehr oder weniger - außergewöhnlichen Erlebnissen mit Vierbeinern,

die sie zum Lachen oder auch mal zum Nachdenken gebracht haben.

Bon Appetit ...

Wir Zweibeiner haben seit Jahrzehnten (ja ja, so alt sind wir schon ...) ein Lieblingsgericht, das es mind. 2 x im Monat auf unseren Esstisch schafft:

"Spaghetti mit Garnelen, Olivenöl, Knoblauch und viel Chili ..."

Es muss so richtig scharf sein, - so scharf, dass die Nase anfängt zu laufen.

 

Immer wenn wir uns heute an den Spaghetti-Tisch setzen, reden wir vom "Pünktchen-Gedächtnisessen", denn unser Pünktchen hat seinerzeit immer mit uns gegessen. Sie bekam von unserem Essen 5 Garnelen ab.

Um die heftige Schärfe abzumildern, haben wir die Tierchen anfangs unter Wasser abgewaschen.

Das war aber nicht in Pünktchens Sinn ... Wir mussten die Garnelen mit ein wenig Weißwein "ablöschen", abtupfen und auf Pünktchens kleinen braunen Teller legen. So war es ihrer Meinung nach richtig ...

Sie war total süchtig nach diesen SO zubereiteten Meerestieren, - und das über Jahre hinweg.

Ab und an überkam mich der Gedanke, dass eine Katze jetzt nicht wirklich etwas derartiges futtern sollte, - dann habe ich ihr Garnelen "natur" gereicht. Die wurden jedoch nur angewidert betrachtet und voller Verachtung links liegengelassen, - dazu hatten wir dann noch eine total beleidigte Katze ...

 

Unsere jetzige Fellfamilie hat mit solch kulinarischen Höhepunkten absolut gar nichts am Hut. Die stehen eindeutig auf Junkfood ...

 

So wird es immer unser ungestörtes "Pünktchen-Gedächtnisessen" bleiben.

 

04.05.2014

Schwer beeindruckend

Es war im Februar 1977 als ich mit meiner Freundin eine Woche lang in Kenia auf Fotosafari war, wobei ich zugebe, dass wir beide jetzt nicht die ganz großen Fotografinnen waren, sondern einfach nur jung und abenteuerlustig.

Es war ein tolles Erlebnis, und das erste wildlebende Tier das wir entdeckten war ... eine Landschildkröte!

Schließlich wurden die Tiere zahlreicher und größer. Gazellen, ultra freche Paviane in riesigen Horden, die als Wegelagerer Angst und Schrecken verbreiteten, Giraffen, diese wunderschönen eleganten Tiere und natürlich auch Löwen, die allerdings den Anschein machten, als würden wir Touris sie unendlich langweilen, wahrscheinlich war es wohl auch so.

Wir reisten kreuz und quer durchs Land, waren tagtäglich lange in unseren VW-Safari-Bullis unterwegs und übernachteten jede Nacht in einer anderen Lodge. Das waren der jeweiligen Umgebung angepasste Hotelanlagen, die in der Regel wunderschön waren.

Diesmal sollten wir die Nacht in der Meru Mulika Lodge verbringen, einer tollen Anlage, die wie ein Kraal angelegt war. Die Gästebungalows waren perfekt ausgestattete Lehmhütten.

Die ganze Anlage wurde von einer ca. 80 cm hohen Steinmauer umgeben. Es hieß, das reiche völlig aus, um in der Nacht die wilden Tiere fernzuhalten.

Wir kamen an und hatten die üblichen 30 Minuten Zeit, den Staub des Tages loszuwerden, d.h. duschen, Haare waschen und trocknen, ein dezentes "Afrika-Makeup" auflegen, um dann pünktlich zum Abendessen zu erscheinen. Meine Freundin und ich waren absolut perfekt darin, das alles im vorgegebenen Zeitraum zu schaffen. Heute wäre mindestens die doppelte Zeit nötig, und das ohne Makeup ...

An diesem Abend lief es dann aber etwas anders ab. Irgendwie hatten wir eine kleine Meinungsverschiedenheit, und ich war zutiefst beleidigt. Ich griff mir die Haarbürste, lief nach draußen und suchte mir ein etwas abgelegenes Plätzchen auf erwähnter Mauer, um in Ruhe zu schmollen und mir dabei die Haare trocken zu bürsten.

Dort, in der Nähe des Äquators gibt es ja keine wirkliche Dämmerung, - aber kurz bevor die Sonne untergeht, scheint es, als würden alle Farben des Tages zu leichten, zarten Pastelltönen. Das sind ganz wunderbare Momente ...

Hier saß ich nun auf der Mauer, schaute in diese Welt aus Pastellfarben und dachte, dass ich eigentlich für den Rest meines Lebens dort sitzen bleiben möchte.

Dann war da plötzlich dieses Geräusch, - ein leises Rascheln in dem riesigen Gebüsch gleich hinter der Mauer, - und dann stand er da, keine 30 Meter entfernt, ... ein beeindruckend großer Elefantenbulle mit imposanten Stoßzähnen und nach vorne gestellten Ohren. Letzteres ist ja nun nicht wirklich ein Zeichen von Ruhe und Gelassenheit, jedenfalls wird es so von uns Menschen interpretiert.

Aber hier? Nein, das war keine Aggression. Ich weiß bis heute nicht warum, aber ich hatte damals nicht eine Sekunde lang das Gefühl, dass dieser Koloss gefährlich sein könnte. 

Er stand da und schaute mich an, und ich habe mich darauf eingelassen, wahrscheinlich kann man sogar sagen, dass ich mich diesem Blick "hingegeben" habe. Es war ein "magischer Moment in Pastell", der nur wenige Minuten andauerte, aber bis heute ganz sicher mit die eindrucksvollste Begegnung meines Lebens war.

Nach einigen Minuten des gegenseitigen Betrachtens nickte er mit seinem gewaltigen Kopf, schnaubte einmal, drehte sich um und verschwand im Gebüsch.

Es war dunkel, als ich endlich zum Essen erschien, - über die Meinungsverschiedenheit sprach niemand mehr. Allerdings hatte ich auch nicht das Bedürfnis über meine Begegnung zu erzählen. Das war so einzigartig, dass ich der Meinung war, dass es mir erst einmal ganz allein gehören sollte.

Pünktchens Betthupferl

So wie in vermutlich allen Katzenhaushalten wurden und werden auch bei uns Rituale gepflegt. Katzen lieben Rituale.

Mit Pünktchen gab es jeden Abend das "Betthupferl-Ritual".

Wir wurden so "erzogen", dass es uns in Fleisch und Blut überging - ähnlich wie das abendliche Zähneputzen.

Es lief dann so ab, dass ich mich als erste bettfertig gemacht habe. Kaum hatte ich mich hingelegt, kam Pünktchen und kuschelte sich an mich. Bei Menschen würde man jetzt von einer "Löffelchen-Stellung" sprechen, - hier handelte es sich aber eher um eine "Teelöffel-Suppenkellen-Stellung".

Kurze Zeit später kam dann Achim, der sich mittlerweile auch für die Nacht fertig gemacht hatte und sich nun auf den Bettrand setzte, um Pünktchen ihre üblichen sieben Stück "Zahnputz-Leckerli" zu servieren, die sie dann genüsslich zerkaute. Danach wurde das Licht gelöscht, und Pünktchens Welt war in bester Ordnung. 

 

Dann kam dieser Abend, an dem eine Kleinigkeit anders war als sonst. 

Pünktchen und ich lagen bereits im Bett und warteten auf Achim, der diesmal ewig lange im Bad blieb.

Ich habe dann gerufen und gesagt, dass Pünktchen schon recht ungeduldig sei und dass er sich bitte beeilen solle, denn ich wusste aus Erfahrung, dass ein ungeduldiges Pünktchen ganz schön nervig werden konnte. Obwohl sein Badaufenthalt noch nicht ganz beendet war, kam Achim, um der Katzendame wenigstens schon mal ihre Leckerli zu kredenzen.

Pünktchen schaute ihn fassungslos an, drehte sich um, und wollte nicht ein einziges Leckerli von ihm annehmen. Sie entschied, ihn keines Blickes mehr zu würdigen.

Ich musste schrecklich lachen, denn mir war irgendwie sofort klar, wo das Problem lag.

Unser Achim war splitterfasernackt, und unser Pünktchen entsprechend empört. Welche Katzendame lässt sich schon von einem nackigen Zweibeiner ihre Betthupferl geben? Sie jedenfalls nicht.

Wenige Minuten später genoss sie dann aber doch noch ihre Leckerli, - serviert von einem angemessen bekleideten Achim.

Pünktchen, meine Heldin

Der Februar 2005 war ein schneereicher und bitterkalter Monat. Pünktchen und ich wohnten damals in der Nähe von Bad Reichenhall und haben uns dort so richtig wohlgefühlt.

Unser Achim kam in der Regel einmal im Monat für ein verlängertes Wochenende angereist, ansonsten lebten Pünktchen und ich alleine in einer perfekten Wohngemeinschaft zusammen.

 

Achim war am Vortag wieder abgereist und ich war ganz froh darüber, denn so konnte er sich an meiner plötzlich aufgetretenen Erkältung nicht mehr anstecken.

Ein heißes Bad, eine noch heißere Zitrone, zeitiges Zubettgehen und viel Schlaf waren angesagt, also die üblichen Dinge, die bisher noch immer geholfen hatten.

 

Der Schlaf kam schnell, - mehrfach wurde es draußen hell, dann wieder dunkel, zwischendurch stand ich auf, habe Pünktchen völlig automatisch so wie immer versorgt, um dann aber gleich wieder ins Bett zu gehen. Ich war einfach nur höllisch müde und fühlte mich dabei aber nicht auffällig schlecht. Ich konnte einfach nicht wirklich wach bleiben.

 

Während dieser Zeit klebte Pünktchen förmlich an mir. Lag ich auf der rechten Seite, kuschelte sie sich vorne an meine Brust. Lag ich links, klebte sie an meinem Rücken. Stand ich mal auf, ging sie im Gleichschritt neben mir. Sie war wie ein siamesischer Zwilling.

Wenn ich in der Küche ihr Futter gemacht habe, saß sie vorm Wasserhahn und maunzte mich an, aber Wasser wollte sie gar nicht.

Später war mir klar, was sie wollte, - ich sollte was trinken ....

 

Achim rief in diesen Tagen mehrfach an, aber ich habe immer nur von einer doofen Erkältung gesprochen, und das soweit alles klar war - und ich jetzt weiterschlafen möchte. Das waren sehr kurze Telefonate, die aber von Pünktchens Maunzen begleitet wurden. Das hatte sie vorher niemals getan, - aber es war mir trotzdem irgendwie egal. Schlafen wollte ich, nicht mehr und nicht weniger.

 

Dann kam der Samstag und plötzlich stand Achim an meinem Bett und kurze Zeit später der Notarzt. Das fand ich jetzt total übertrieben, ich wollte doch nur schlafen.

Das durfte ich dann auch die nächsten 16 Tage im Krankenhaus: doppelseitige Lungenentzündung mit gut 39°C Fieber und dehydriert, - das war dann die Diagnose.

 

Heute denke ich öfters mal an diese Zeit und bin fest davon überzeugt, dass es ohne Pünktchen nicht so ausgegangen wäre.

Selbst ein Arzt war damals dieser Ansicht ...

 

06.04.2014