Das Regenbogenland

 

So viele unserer tierischen Freunde treten Tag für Tag die Heimreise an.

Eine Reise, die sie in das Land des Regenbogens, in ihr Paradies führt.

 

Dieses Land kennen wir nicht, - noch nicht, aber wir stellen es uns vor, und sind dadurch vielleicht sogar die Baumeister dieses Landes.

 

- unsere Zärtlichkeit ist dort die Sonne,

- unsere Hoffnung das stets blühende Land,

- unser Vertrauen die Luft zum Atmen,

- unsere Sehnsucht der Regen und

- unsere Trauer die dortige Nacht.

 

All das kann man in einem einzigen Wort zusammenfassen, dieses Wort,

das uns alle mit unseren Engeln auf ewig verbindet: LIEBE

(Barbara Würzburg)

Der letzte Weg

 

Es waren einmal eine Katze und ein Kater. Sie kamen aus unterschiedlichen Richtungen und trafen sich dort, wo alle Straßen in einen einzigen Weg münden. Da sie beide kluge und weise Katzen waren, beschlossen sie schnell gemeinsam weiterzugehen. Sie hatten sich viel zu erzählen, von schönen und auch weniger schönen Momenten in ihrem Leben, aber vor allen Dingen von ihren Familien, von denen sie jetzt Abschied genommen hatten.

 

Sie waren sich beide einig, dass dies das Schwerste war, nicht nur für sie selbst, sondern auch für ihre Familien, die so unermüdlich um ihr Bleiben gekämpft haben, sie aber letztendlich gehen und loslassen mussten.

 

Wie schön wäre es, wenn sie ihnen in diesem Moment sagen könnten, dass es ihnen jetzt schon wieder richtig gut geht.

 

Die Beiden liefen bereits einige Zeit plaudernd nebeneinander her, als sie bemerkten, dass die Landschaft um sie herum immer genau so aussah, wie sie es sich gerade wünschten. Sie liefen über Bergwiesen, Felder, über Lichtungen und im nächsten Moment durch raschelndes Dickicht. Das war ein Spaß, sie tobten herum was das Zeug hielt und das Tolle war, dass sie weder müde noch hungrig wurden. Nur ab und zu legten sie eine Pause ein, um sich zärtlich aneinander zu schmiegen. Das hatte nichts mit dem „Kater- und Katze-Sein„ zu tun, es war die Zärtlichkeit an sich, das zarte Umgehen mit- und füreinander.

 

Dann kam der Moment, in welchem sie sich beide das gleiche wünschten. Sie wollten an den Ort, von dem sie wussten, dass man sie dort erwartet.

 

Und da standen sie jetzt, voller Erwartung, mit großen Augen, und staunend über das, was sie dort sahen. Um sie herum wiegten sich duftende Bäume in einem Wind, den sie selbst gar nicht wahrnahmen. Direkt vor ihnen stand ein Gartentor, einfach nur ein Tor, dessen weit geöffnete Tür leicht in ihren Angeln schwang. An der Schwelle saß eine Katze, deren Fell sich abwechselnd in allen erdenklichen Schattierungen zeigte.

 

Unseren Beiden war sofort klar, dass sie jetzt ihr Ziel erreicht hatten, ihre Neugier kannte keine Grenzen mehr und sie stürmten auf das Tor zu. Zum Glück war es breit genug um beide gleichzeitig durchzulassen. Mit einem einzigen Satz sprangen sie über die Schwelle und waren absolut begeistert, dass dieser Sprung kein Ende zu nehmen schien. Sie schwebten durch ein warmes Meer schillernder Farben, wobei jede einzelne Farbe sie streichelte, umhüllte und erfüllte.

 

Dann hatten sie wieder Boden unter den Pfoten, und jubelnd konnten Katze und Kater feststellen, dass sie voller Kraft waren und erneut die Fähigkeit hatten, sich ihre Umgebung durch ihre Wünsche selbst zu schaffen. Mehr noch, sie konnten sogar das sanfte Streicheln vertrauter Hände fühlen.

 

Voller Dankbarkeit begriffen sie, dass es tatsächlich diese Brücke gab, die die Menschen „die Regenbogenbrücke“ nannten. Sie erkannten aber auch, dass eine Brücke nicht nur ein Weg, sondern auch eine Verbindung ist. Sie beschlossen, diese zu nutzen, um ihren traurigen Familien im Land jenseits des Tores auch weiterhin nah zu sein. Aber wie sollten sie das anstellen?

Nein, sie mussten nicht lange überlegen, es war ganz einfach ...

 

Immer wenn sie spürten, dass sie in Gedanken voller Trauer gestreichelt wurden, legten sie von nun an für einen Moment ihre Köpfchen in diese vertrauten Hände. Sie waren überzeugt, dass sie dadurch etwas von ihrer jetzigen unbändigen Energie an ihre Menschen jenseits des Regenbogenlandes abgeben konnten. Manchmal zwickten sie auch ganz zart, und sie waren sich sicher, dass dies auch bemerkt wurde.

 Die Zeit verging und Katze und Kater waren richtig glücklich als sie bemerkten, dass ihre Familien mittlerweile nicht mehr voller Trauer waren, sondern fröhlich mit ihnen sprachen und von ihrem Leben und ihren neuen Familienmitgliedern erzählten.

 

Irgendwann haben die Beiden dann auch noch das ganz große Tor entdeckt und wissen genau, wann sie dort sein müssen, um ihre Menschen in diesem wunderbaren Land willkommen zu heißen.

Aber bis dahin ist noch Zeit, - viel Zeit, die sie mit all dem verbringen können, was unendlich Spaß macht.

(Barbara Würzburg)